Was ist Lacrosse?
Lacrosse ist eine dynamische, taktische, schnelle und kraftvolle Sportart.
Damen- und Herrenlacrosse unterscheiden sich in vielen Punkten wie Spielfeldgröße, Spieleranzahl, Ausrüstung oder den Regeln.
Ziel bei beiden ist jedoch, mehr Tore zu erzielen als die gegnerische Mannschaft.
Um dies zu erreichen dürfen die Spieler/innen mit dem kleinen Hartgummiball im Crosse (=Stick) laufen, passen und schießen. Ausserdem darf während des Spiels fliegend gewechselt werden, damit das Spiel schnell bleibt. Daher umfasst der Kader normalerweise 23 Spieler/innen.
Bei den Herren sind Body- und Stickchecks erlaubt, während die Damen ohne Körperkontakt spielen. Die Schutzausrüstung der Herren ähnelt, aufgrund der hohen Geschwindigkeit des Spiels und der aggressiven Angriffsmöglichkeiten, der von American Football oder Eishockeyspielern getragenen; die Damen, obgleich nicht weniger schnell, kommen mit einem Zahnschutz zur Sicherheit aus.
Die Tore sind 183×183cm groß und stehen innerhalb eines “Schutzkreises” (=Crease), der nur vom Tormann/frau betreten werden darf.
Die Spielzeit beträgt bei den Damen 60 Minuten, die in zwei Spielhälften absolviert werden. Das Herrenspiel dauert vier Viertel zu je 20 Minuten.
Drei Schiedsrichter und zwei Personen (Zeitnehmung, Strafenverifizierung) auf der Bank leiten das Spiel.
Fällt der Ball auf den Boden darf dieser nur mit dem Schläger wieder aufgehoben werden. Bälle, die seitlich ins Aus gehen, bedeuten Ballverlust. Bei Schüssen aufs Tor bekommt die Mannschaft den Ball, deren Spieler näher am Ball war als dieser die Auslinie passiert hat. Geht der Ball bei normalen Pässen über die Torauslinie bedeutet dies Ballverlust wie bei den Seitenlinien.
Die Geschichte des Sports
Das Spiel stammt von den Indianern der Ostküste und der Großen Seen, auf den Gebieten des heutigen Kanadas und der USA. Sie nannten es Baggataway oder auch Tewaraathon („kleiner Bruder des Krieges“) und weihten es dem Kriegsgott. Nicht selten endeten diese Spiele, die zur Vorbereitung auf Kriege mit anderen Stämmen gespielt wurden, tödlich. Die Spiele wurden zum Teil mit mehr als 100 Spielern ausgetragen, und als Tor galt oft ein Stein oder ein Baum. Neben der für die Kriegführung als notwendig erachteten Vorbereitung des Teamgeists, wurde das Spiel auch eingesetzt, um Streitigkeiten zwischen Stämmen und anderen Gruppen zu schlichten. Erstmals erwähnt wurde das Spiel 1634 von dem französischen Jesuitenmissionar Jean de Brébeuf in Ontario, den die Schläger an einen Bischofsstab erinnerten und der dem Spiel deshalb den Namen La Crosse gab, das französische Wort für Bischofsstab. In den 1850er Jahren fingen auch Weiße an, sich für Lacrosse zu interessieren. 1856 gründeten die Franzosen den ersten Club, den Montréal Lacrosse Club. Den Siegeszug begann Lacrosse im Jahr 1867. In diesem Jahr wurde der kanadische Verband, Canadian National Lacrosse Association, aus der Taufe gehoben, die Anzahl der Teams stieg von 6 auf ca. 80, und auch der erste Verein der USA wurde gegründet. Erstmals kam das Spiel nach England. 1874 gelangte Lacrosse nach Australien und 1878 nach Neuseeland. 1879 wurde der Dachverband in den USA gegründet.
Das erste Frauen-Lacrossespiel wurde 1890 an der Klosterschule St. Leonards in Schottland gespielt – eine Nonne las über Lacrosse und befand, dass dies eine gute Sportart für die von ihr unterrichteten Mädchen wäre. Männer- und Frauen-Lacrosse wurde bis in die Mitte der 1930er Jahre ohne schützende Ausrüstung mit fast den gleichen Regeln gespielt. Zu dieser Zeit fingen die Regeln des Männer-Lacrosse an, sich stark zu verändern, während Frauen-Lacrosse weiterhin mit den ursprünglichen indianischen Regeln gespielt wurde. Bis etwa zur Jahrtausendwende beispielsweise spielten die Damen noch ohne feste Seitenlinien – vielmehr wurde als Anhaltspunkt eine Baumreihe, die nächste Wiese oder ein Strauch genommen. Heutzutage spielen Frauen und Männer Lacrosse nach völlig unterschiedlichen Regeln. Die Frauen-Lacrosseregeln limitieren den Schläger- und Körperkontakt und deshalb wird nur wenig Schutzausrüstung benötigt. Beim Männer-Lacrosse hingegen werden, ähnlich dem Eishockey, Helme, Rippen- und Schulterschutz und Handschuhe getragen.
Bei den Olympischen Spienen 1904 in St. Louis und bei den Spielen 1908 in London war Lacrosse bei den Männern Wettkampfdisziplin, bei den Spiele 1928 in Amsterdam, 1932 in Los Angeles und 1948 in London war es im olympischen Vorführungswettbewerb.
Anschließend allerdings versank der Sport Lacrosse für eine Weile in der Versenkung. Weder die Indianer noch die US-Amerikaner und Kanadier zeigten noch ein großes Interesse für den Sport. Er überlebte einzig als Collegesportart an einigen Prepscools der Ostküste. Dabei wäre es wohl auch geblieben, denn der Wachstum des Sports war durch einige Faktoren limitiert. Zum einen war der Sport durch seinen Charakter, ein „Sport der Elite“ zu sein, nur einer kleinen Bevölkerungsschicht zugänglich, zum anderen gab es nur wenige Indianer, die in der Kunst der Anfertigung von Lacrosse-Schlägern ausgebildet waren. Erst durch die Einführung des Kunststoffschlägerkopfs wurde Lacrosse dann einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. 2007 spielten rund 47.000 Kanadier eine vor allem in Kanada gespielte Variante des Lacrosse, das Box Lacrosse. Erheblich erfolgreicher ist noch Inter Crosse, das Männer und Frauen gemeinsam spielen, und das ebenfalls ohne Kontakt gespielt wird. Es wird von 250.000 Kanadiern gespielt, darüber hinaus weltweit in 45 Staaten.
1987 wurde die National Lacrosse League (NLL) gegründet. Hier treten 15 Teams aus drei kanadischen und acht US-amerikanischen Städten gegeneinander an. In den letzten sieben Jahren war die Mannschaft von Toronto mit fünf Meisterschaften die erfolgreichste. 1994 erhob das kanadische Parlament Lacrosse zur Nationalsportart. Bei der Weltmeisterschaft im australischen Perth besiegten die USA Kanada und Australien besiegte die Irokesen. Die Weltmeisterschaft 2006 fand in London, Ontario statt. 2007 fand die Indoor- oder Box-Lacrosse Weltmeisterschaften in Halifax statt.
Die Frauen spielten unter der Ägide der 1972 gegründeten International Federation of Women’s Lacrosse Associations 2005 in Annapolis, Maryland. Australien gewann vor den USA, England und Kanada. Hier sind die US-Amerikanerinnen führend. Inzwischen gehören zehn internationale Teams zur Association.
Lacrosse befindet sich in Österreich und in ganz Europa im rasanten Wachstum. Bis jetzt lebt diese Sportart durch das Engagement junger, motivierter Sportler und Funktionäre in Österreich; im Ausland ist dieser Sport schon seit längerem für Sponsoren interessant geworden, da die Firmen den Werbeeffekt erkannt haben.
Seit 2006 gibt es die Österreichische Lacrosse Liga (ÖLL/ALL – Austrian Lacrosse League), an der mittlerweile vier Bundesländer (Wien, Steiermark, Kärnten und Oberösterreich) teilnehmen. Weitere Teams aus anderen Bundesländern (Tirol, Salzburg, Burgendland, Vorarlberg) sind bereits im Aufbau und warten auf die Aufnahme durch den Österreichischen Lacrosse Verband (ÖLaxV).
Lacrosse ist wie eine große Familie. Die Spieler in ganz Europa kennen und helfen sich untereinander. Durch die häufigen internationalen Turniere, an denen sowohl einzelne Vereine als auch das Nationalteam bzw. nationale Auswahlen teilnehmen, ist die Lacrossegemeinschaft global miteinander vernetzt.